Wenn das letzte Lichtlein brennt…

 

Letzte Woche sind mehr als hundert Menschen in Bangladesch in einer Textilfabrik ums Leben gekommen – sie sind bei lebendigem Leibe verbrannt. Dies war die dritte Katastrophe dieses Ausmaßes seit September, der bis in die westlichen Medien vorgedrungen ist. Trotz des Feueralarms wurden die ArbeiterInnen zurück auf ihre Plätze geschickt, da der Alarm nicht ernst genommen wurde. Die Ausgänge waren wie üblich auch während der Arbeitszeit abgesperrt, die Fenster waren vergittert und die Notausgänge konnten nicht benutzt werden, da sie als Lagerräume genutzt wurden. Nicht anders war es damals im September in Pakistan, als auch dort eine Textilfabrik niederbrannte und die Menschen, genau wie in Bangladesch, in der Fabrik gefangen waren.

Die Unternehmen sind dafür verantwortlich

Alleine im Zeitraum von 2006 bis 2010 sind in Bangladesch rund 500 ArbeiterInnen bei Fabrikbränden ums Leben gekommen. Innerhalb von zehn Jahren ist Bangladesch von Platz 10 der größten Textilhersteller auf Platz 2 aufgestiegen. Der Grund dafür ist das extrem niedrige Lohnniveau in diesem Land – der Mindestlohn beträgt rund 30 Euro monatlich – und meistens wird sogar noch weniger bezahlt. Das reicht nicht zum Leben. Zum Beispiel kostet eine einfache 12 m2 Wellblechhütte in den Slums von Dhaka, der Hauptstadt und dem Industriezentrum von Bangladesch, bis zu 25 Euro Miete. Rund 80% der Angestellten im Textilsektor sind weiblich, sie werden täglich mit sexueller Gewalt konfrontiert, geschlagen und gedemütigt. Sie alle fristen das Dasein eines modernen Arbeitssklaven.

Nun schimpfen die großen Unternehmen, wie C&A oder H&M, gegen die bengalische Regierung: sie würde sich aus Angst vor dem Konkurrenzdruck der anderen Billigländer, wie beispielsweise China und Pakistan, weigern, den Mindestlohn zu erhöhen. Sie versuchen die Schuld von sich wegzuschieben, dabei sind sie diejenigen, die diesen Konkurrenzdruck aufbauen, ausnutzen und sich einen Dreck um die Produktionsbedingungen in den einzelnen Ländern scheren. Und so sparen sie eben auch bei der Sicherheit. Denn die Konzerne müssten immens in die maroden Fabrikgebäude investieren, welche früher als Wohngebäude dienten, um die Sicherheitsbestimmungen zu erfüllen.

Aber auch eine Erhöhung der Löhne liegt in ihrer Hand, denn solange sie sich einfach den größtmöglichen Profit einstecken wollen, tut die Regierung alles dafür, es den Konzernen so angenehm wie möglich zu machen. Denn wenn den Unternehmen die Lohnkosten zu teuer werden, wandern sie eben einfach ab. Diese Drohkulisse kennen wir auch aus Deutschland. C&A, H&M und Konsorten tun jetzt natürlich alles dafür, in der Presse ihr Saubermann-Image zu erhalten. Doch in Wahrheit tun sie nichts anderes, als die Kosten und Risiken auf die Zulieferer abzuschieben, um nun so tun zu können, als wüssten sie von nichts. Besseres Konsumverhalten für faire Arbeitsbedingungen?

In der Öffentlichkeit wird nun immer stärker darüber diskutiert, ob das Konsumverhalten des westlichen Verbrauchers die Arbeitsbedingungen in diesen Ländern positiv beeinflussen könnte. Doch würde sich wirklich etwas ändern, wenn wir mehr Geld für Klamotten ausgeben würden? Eine Jeans wird ca. für 5,30 Euro in Bangladesch hergestellt und in deutschen Modeläden für 30 – 80 Euro verkauft.

Und ganz nebenbei, jedes Kleidungsstück, egal ob von PUMA oder KIK, wird in denselben Ländern zu den gleichen Bedingungen und Löhnen produziert mit einem Ziel: dem größtmöglichen Profit für die Unternehmen. Die Ausbeutung der ArbeiterInnen der einzelnen Länder bleibt bestehen, egal wie viel wir für die Klamotten bezahlen.

Zudem hat ein Hartz VI Bezieher oder ein Geringverdiener gar nicht die Möglichkeit, „Fair Trade“ shoppen zu gehen, so gerne er es auch wollte. Oft wird uns einfach immer vorgerechnet: Steigen die Löhne, dann steigen auch die Preise. Das klingt logisch, ist jedoch so nicht richtig! Die Unternehmen heben natürlich nach Lohnerhöhungen gerne die Preise an, aber nur um die Höhe ihrer Gewinnmargen zu erhalten. Denn wenn sich die Lohnkosten erhöhen und die Preise gleich bleiben, wird einzig ihr Profit geschmälert, welcher aus der Spanne zwischen Kosten und Verkaufserlös resultiert. Und dazu sind die Unternehmen eben nicht bereit.

Damals wie heute: Streik als einzige Antwort

Die Menschen in Pakistan, Bangladesch etc. leben und arbeiten wie vor 100 Jahren unsere Ur-Ur-Großeltern. Es ist dasselbe System und es hat sich nichts geändert. Das Kapital reist um den Erdball, um überall mit denselben Auswirkungen zu regieren. Und auch wir müssen uns über die Ländergrenzen hinweg zusammenschließen. Damals in Europa haben die Arbeiter ihre Arbeits- und Lebensbedingungen mit vielen Kämpfen verbessern können. Auch die Menschen in Bangladesch sind nicht mehr bereit, diese Zustände einfach so hinzunehmen.

Als Reaktion auf den scheußlichen Brandvorfall sind die TextilarbeiterInnen am folgenden Tag nicht auf Arbeit erschienen. Am nächsten Tag wurde dann ein nationaler Trauertag von der Regierung festgelegt, aus Angst vor einem Streik. Es sind mittlerweile hunderte Menschen auf den Straßen und kämpfen für ein Leben, in dem sie keine Angst mehr haben müssen, nach Feierabend im Leichensack die Fabrik zu verlassen.

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